Das Landhaus Godeffroy

Architektur

Landhaus Godeffroy - Nordseite Landhaus Godeffroy - Nordseite
Landhaus Godeffroy - Nordseite

Nachdem Johan Cesar (IV) Godeffroy 1786 das Areal des heutigen Hirschparks erworben hatte, ließ er den vorhandenen Bauernhof abreißen und beauftragte 1789 den dänischen Architekten Christian Frederik Hansen, ein Landhaus zu errichten.

Hansen (1756-1845) war ein führender Repräsentant des damals modernen klassizistischen Stils, von ihm stammen auch andere Villenbauten in und um Hamburg.
Unter anderen ließ sich Johan Cesars Bruder Pierre (»Peter«) von Hansen ein Landhaus auf dem Nachbargrundstück westlich des Mühlenberger Tals erbauen, das »Weiße Haus«, heute Elbchaussee Nr. 547.

Das Landhaus Godeffroy besteht aus einem zweigeschossigen Zentralbau mit fünf Achsen und zwei eingeschossigen Seitenflügeln mit je drei Achsen.
Der nördliche, zum Park orientierte, Eingang ist als Loggia gestaltet: eine zurückgezogene Front hinter zwei stämmigen Sandsteinsäulen. Mit Sandstein sind auch die den Eingang flankierenden Fenster im Erdgeschoss des Zentralbaus von dem ansonsten verputzten Mauerwerk abgesetzt.
Die Attika (Fortführung der Wand über dem Dachgesims) ist in der Mitte überhöht, darauf die Inschrift »Der Ruhe weisem Genuss« zu lesen.
Die südliche, zur Elbe gelegene, Front des Haupttrakts buchtet sich in der Mitte zu einem Halbrund aus, um einem Saal Raum zu geben.

Landhaus Godeffroy - Südseite Landhaus Godeffroy - Südseite
Landhaus Godeffroy - Südseite

Gliederung und Bauformen des symmetrisch angelegten Gebäudes sind bewusst einfach gehalten, auch die sparsam eingesetzten Zierelemente fallen schlicht aus (z.B. Dreieckgiebel über zwei Frontfenstern, Quaderputz im Erdgeschoß des Nordportals, Bossen an der Südfassade). Nur zwei große Amphoren auf dem Dach des Zentralbaus (nicht mehr vorhanden) setzten einen dekorativen Akzent.

Landhaus Godeffroy - Federzeichnung aus dem Büro des Architekten Landhaus Godeffroy - Federzeichnung aus dem Büro des Architekten
Landhaus Godeffroy - Federzeichnung aus dem Büro des Architekten
Villa Godeffroy - Restauriertes Interieur Villa Godeffroy - Restauriertes Interieur
Villa Godeffroy - Restauriertes Interieur

Im Inneren wurden die Repräsentationsräume dagegen aufwendig mit Stuckaturen dekoriert, in der Eingangshalle etwa mit Antikenreliefs, im Westflügel in Form von Blumenranken und Puttendarstellungen. Die Wirtschafträume befanden sich im Souterrain. Im Lauf der Jahre bauten die jeweiligen Besitzer die Villa immer wieder um und versahen sie mit Anbauten, zum Beispiel einer Säulenloggia mit Treppe zum elbseitigen Garten. 1939/40 wurde das Gebäude einer Grundsanierung unterzogen, dabei spätere Anbauten entfernt und, soweit möglich, der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt.

Zur Originalanlage der Godeffroyʼschen Villa gehört auch die Zufahrt von der Elbchaussee mit ihrem repräsentativen Tor. Es ist zur Straße leicht schräg versetzt, damit die aus Richtung Altona ankommenden Kutschen leichter ein- und später wieder ausfahren konnten.

Nutzungsgeschichte

Johan Cesar (IV) Godeffroy ließ das Landhaus als Sommersitz erbauen, und so nutzten es drei Generationen seiner Familie. Stadthaus und Firmensitz der Godeffroys befand sich am Alten Wandrahm (1885 für den Bau der Speicherstadt abgerissen). Große Empfänge und Festlichkeiten fanden auch zu anderen Jahreszeiten in Dockenhuden statt. Aber erst ab 1880 wurde das Haus ganzjährig bewohnt. 1889 kaufte der Altonaer Tabakfabrikant Ernst August Wriedt den Hirschpark samt Villa, von ihm 1921 der Holzindustrielle Ferdinand Nather aus Riga, 1924 erwarb die Gemeinde Blankenese das Anwesen.

Zunächst wurden einzelne Zimmer der Villa Godeffroy als Ferienwohnungen vermietet, 1927 zog der nationalsozialistische Pädagoge Dr. Wilhelm Höper mit einem privaten Erziehungsheim ein, das bis 1939 bestand.

Nach dem Krieg requirierten die britischen Besatzungstruppen auch das Haus im Hirschpark. Es gab Pläne, im Park einen »Officersʼ Sport Club« mit Restaurant und Bar unterzubringen, dazu zwölf Tennisplätzen, vier Squash Courts, ein Country House mit Tanzsaal und Dining Room für 1000 Besatzungsangehörige. Das wurde nicht verwirklicht, die Hirschparkvilla diente als Kindergarten und Schule für die Familien der Besatzer.

Nach dem Abzug der Briten 1957 bezog das Ortsamt Blankenese zeitweilig die Räumlichkeiten. Ältere Blankeneser erinnern sich noch an die Schutzimpfungen, die im Hirschparkhaus durchgeführt wurden. Auch eine Mütterberatungsstelle hatte ihren Sitz in der Villa.

Ein weiterer Nutzer des Hauses war der Akustiker und Tonmeister Erich Thienhaus (1909-1968), der ab 1958 ein Tonstudio in der Villa betrieb. Unter seiner Regie und der seiner Kollegin Getrud Loos entstanden zahlreiche Schallplattenaufnahmen, vor allem klassischer Kammermusik für die Deutsche Grammophon. Thienhausʼ Assistent und Schüler Thomas Kuckuck produzierte in den späten 60ern auch Beatmusik in dem Studio. Ein Teil des Hauses stand dem Blankeneser Kulturkreis und der Freien Akademie der Künste für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.

Seit 1972 befindet sich die Ballettschule der Tänzerin Lola Rogge (1908-1990) in dem Gebäude, seit 1977 unter der Leitung ihrer Tochter Christiane Meyer-Rogge-Turner.

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