Pressemitteilung des Vereins der Freunde des Hirschparks Blankenese und des Wildgeheges Klövensteen e.V.

Hamburg, 25. August 2026

Für Rückfragen: Beate Hülsen, Tel. 040 8793 6500

Hirschpark soll Modellprojekt für Biodiversität werden

Vorschlag für einen tierschutzgerechten Neustart des Damwildgeheges

Der Verein der Freunde des Hirschparks will den Hirschpark mit seinem Damwildgehege zu einem Modellprojekt für den Erhalt von Biodiversität in der Stadt zu machen. Vorschläge dafür hat der Verein jetzt in seinem Positionspapier der Bezirksversammlung vorgelegt.

Tierschutz, Naturschutz und Denkmalschutz lassen sich nach den Plänen des Vereins in einem sorgfältig geplanten Neustart zusammenführen.

Zum Tierschutz schlägt der Verein vor, sich künftig bei der Damwild-Haltung strikt an den Vorgaben der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT-Merkblatt Nr. 140) zu halten. Sie verlangen unter anderem die Bildung einer artgerechten Mindestgruppe aus fünf adulten Tieren mit Nachzucht, darunter nur ein männliches Tier. Die Startgruppe wäre damit maßvoll dimensioniert – groß genug für eine stabile soziale Herdenstruktur, aber klein genug für Tierwohl, Pflege, Kontrolle und ein belastbares Monitoring.

Das umzäunte Gehege ist ein abgegrenzter Naturraum in einem weitläufigen öffentlichen Park. Mit einer kleinen Herde, strukturierter Vegetation, Sichtschutz und naturnaher Gestaltung kann dieser Raum nach den Plänen des Hirschparkvereins ökologisch aufgewertet statt aufgegeben werden. Damwild fungiert dabei als Schirmart: Die extensive Beweidung schafft Habitatvielfalt, kurzrasige Bereiche und Strukturen, von denen Insekten, Vögel und weitere Arten profitieren.

Der Hirschpark kann so als klassischer Landschaftspark fortgeführt werden, die Beweidung durch das Damwild vermeidet zudem unnötige Unterhaltungskosten. Gleichzeitig bleibt seine historisch gewachsene Attraktivität für die Menschen erhalten, insbesondere für Kinder.

Als konkreten ersten Schritt schlägt der Verein eine fachlich begleitete Arbeitsgruppe mit allen relevanten Entscheidungsträgern vor.

„Wir möchten konstruktiv an der Zukunft des Hirschparks mitarbeiten – dazu bieten wir eine Patenschaft an, auch um weiterhin durch Spenden auszuhelfen, wo es an Ressourcen mangelt,“ so die Vorsitzende des Vereins, die Diplom-Biologin Beate Hülsen.

Hintergrund

Was ist das TVT-Merkblatt – und warum ist es relevant?

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Tierärztinnen und Tierärzten. In ihren Merkblättern fasst sie den anerkannten fachlichen Stand für eine tierschutzgerechte Haltung zusammen. Das im Mai dieses Jahres veröffentlichte Merkblatt Nr. 140 „Artgemäße Haltung von Gehegewild" behandelt die Haltung von Damwild im Gehege. Es ist ein maßgeblicher Bezugspunkt, weil es eine neutrale, fachlich anerkannte Grundlage bietet – unabhängig von Einzelmeinungen.

Ist die Haltung von Damwild nur eine Frage von Nostalgie und Tradition?

Nein. Die Freunde des Hirschparks streben eine tierschutz- und naturschutzgerechte Beweidung in dem rund 2,8 Hektar großen Gehege an. Dabei wird mit geringen Besatzdichten gearbeitet; die Zahl der Tiere soll unter den in der Landwirtschaft üblichen Werten liegen. Eine Zufütterung soll, wo möglich, vermieden werden – das entspricht dem Grundprinzip des TVT-Merkblatts, wonach sich die Tiere von der Vegetation der Gehegefläche ernähren. Auf die übrige Tierwelt wirkt sich extensive Beweidung fördernd aus: Sie schafft Strukturvielfalt, die weiteren Arten – etwa Insekten, Vögeln und Fledermäusen – zugutekommt.

Was sagen die fachlichen Standards zur Zusammensetzung der Herde?

Das TVT-Merkblatt nennt zur Gewährleistung einer artgerechten Rudelbildung „mindestens fünf adulte Tiere mit Nachzucht, darunter ein männliches Tier". Die in den vergangenen Jahren aufgetretenen Brunftkämpfe sind vor diesem Hintergrund erklärbar: Es wurden zuletzt ausschließlich männliche Tiere gehalten, was der natürlichen Sozialstruktur widerspricht.

Wie ist mit der bisherigen Gehegegestaltung umzugehen?

Zwei Punkte waren fachlich nicht optimal:

  1. Im Gehege wurden Buchen gepflanzt. Das wirkte sich negativ auf den Bodenaufwuchs aus und verringerte die Deckung für das Damwild.
  2. Mehrere Pflanzungen im Süden des Geheges wurden nicht fachgerecht geschützt. Die Zäune mussten entfernt werden, woraufhin die Gehölze verfegt wurden und abstarben. Eine fachgerechte Ausführung vermeidet dies.

Welcher Sichtschutz ist fachlich erforderlich – braucht es große Erdwälle?

Große Erdwälle sind fachlich nicht erforderlich. Das TVT-Merkblatt nennt als Sicht- und Witterungsschutz Büsche und Bäume, ersatzweise das Einbringen von Ast- und Zweigmaterial sowie, falls nötig, 1 bis 1,5 m hohe Holzwände. Schutz lässt sich also durch fachgerechte Pflanzungen, Totholzstrukturen und liegende Baumstämme schaffen – denkmalverträglich und ohne großflächige Eingriffe.

Braucht es einen doppelten Zaun?

Das TVT-Merkblatt sieht doppelte Zäune dann vor, wenn außerhalb des Geheges Artgenossen leben und Brunftkämpfe am Zaun zu vermeiden sind – das ist im Hirschpark nicht nötig. Maßgeblich ist die Qualität des Zauns selbst: Er muss das Entweichen der Tiere und das Eindringen von Hunden sicher verhindern (engmaschiges, verzinktes Knotengeflecht, über 1,80 m hoch, sicher verankert). Der bestehende Zaun im Hirschpark ist stark und dicht – und übertrifft die vorgeschriebenen Anforderungen sogar.

Weitere Details und Erklärungen finden sich im ausführlichen Positionspapier.

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